Weiter viel Rückenwind für das nord-, ost- und mittelhessische Handwerk

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„Das Handwerk in Nord-, Ost- und Mittelhessen bleibt auf Wachstumskurs. Nachdem es bereits im ersten Halbjahr 2017 klar bergauf ging, setzte sich dieser Trend weiter fort. Die Umsätze sind weiter gestiegen und die Auftragsbücher voller als je zuvor. Zum Jahresende wird die Handwerkswirtschaft aus saisonalen Gründen nur geringfügig an Tempo verlieren. Es läuft rund, wenn auch nicht in allen Handwerksbranchen gleichermaßen. Sorgen bereitet uns allerdings der Facharbeitermangel und das zurückhaltende Investitionsverhalten der Betriebe“, kommentierte der Vizepräsident der Handwerkskammer Kassel, Johannes Schwarz, die aktuelle Herbstumfrage, die heute in der Bäckerei und Konditorei Weber in Lichtenfels präsentiert wurde.

86,5 Prozent der Befragungsteilnehmer sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden, knapp die Hälfte (45,9 Prozent) bewertet die derzeitige Geschäftslage als gut. „Diese Zahlen bekräftigen erneut die anhaltende konjunkturelle Stärke in der Handwerkswirtschaft. Das gute Konsumklima und anziehende Investitionen geben der Konjunktur immer neuen Rückenwind, besonders das Baugewerbe profitiert davon, das Kfz-Handwerk hinkt dem allgemeinen Trend allerdings hinterher“, berichtete Schwarz weiter.

Die kommende kältere Jahreszeit lässt den Optimismus der Gesamtbranche nicht verblassen: Auch für das Jahresschlussquartal erwarten 86,9 Prozent gute oder zufriedenstellende Geschäfte, die Zuversicht war größer als im starken Vorjahresquartal. Vor diesem Hintergrund konnte der Geschäftsklimaindex, der wichtigste Frühindikator der wirtschaftlichen Entwicklung, weiter nach oben klettern und legte gegenüber dem Herbstwert des Vorjahres um weitere 3,6 Punkte zu. Die aktuell 133,2 Punkte bedeuteten gleichzeitig ein Allzeithoch für ein Herbstquartal.

Überdurchschnittlich hohe Auftragsbestände sorgen für Zufriedenheit Die Auftragslage in den Betrieben kann sich sehen lassen: Durchschnittliche Auftragsreichweiten von 8,7 Wochen meldeten die Betriebsinhaber zum Ende des Berichtsquartals. Das waren noch einmal 1,9 Wochen mehr als vor Jahresfrist. Im Baugewerbe meldeten die Betriebe sogar eine Auftragsreichweite von zehn Wochen. Die Ordereingänge waren ebenfalls höher als vor zwölf Monaten: Über alle befragten Branchen hinweg berichteten 19,7 Prozent der Betriebsinhaber von weiter gestiegenen und 59,1 Prozent von gleichgebliebenen Auftragseingängen.

Die Umsatztätigkeit der Betriebe war weiterhin aufwärts gerichtet und das hohe Niveau des Herbstquartals 2016 wurde noch einmal übertroffen: 22,9 Prozent (Vj.: 20,2 Prozent) der Umfrageteilnehmer konnten gegenüber dem Sommerquartal Umsatzsteigerungen verbuchen, bei weiteren 56,6 Prozent (Vj.: 57,5 Prozent) entsprachen sie den Vorquartalswerten. Die Produktionskapazitäten sind gut ausgelastet, besonders viele Betriebe im Baugewerbe arbeiten am Anschlag. Die Betriebsauslastung im Gesamthandwerk lag bei durchschnittlich 78,6 Prozent (Vj: 79,6 Prozent). Ein Drittel der Betriebsinhaber sprach sogar von Vollauslastung.

Die guten Entwicklungen bei Umsätzen und Auftragsbeständen haben dafür gesorgt, dass die nord-, ost- und mittelhessischen Handwerksinhaber im Berichtsquartal weiteres Personal einstellen konnten. Immerhin 13,3 Prozent der Betriebsinhaber haben ihren Personalstamm aufgestockt, während 79,3 Prozent der Betriebe ihren Beschäftigtenstamm gehalten haben. Möglicherweise wären die Beschäftigteneffekte noch positiver gewesen, wenn die Betriebe geeignetes Personal gefunden hätten.

Überraschend zurückhaltend blieb das Investitionsverhalten der Betriebe. Aufgrund der hohen Auslastungsquoten waren mehr Erweiterungsinvestitionen zu erwarten gewesen.

Entwicklung der einzelnen Handwerksbranchen:

Ausbaugewerbe: Das Ausbaugewerbe bleibt neben dem Bauhauptgewerbe die Konjunkturlokomotive. Der Geschäftsklimaindex (GKI) lag bei satten 155,8 Punkten. 92 Prozent waren mit ihren Geschäften zufrieden. Knapp 30 Prozent steigerten die Umsätze.

Bauhauptgewerbe: Die Betriebe konnten gegenüber dem Vorjahr stark zulegen (GKI: 157,8 Punkte). Die Auftragsreichweite stieg auf 9,8 Wochen. Knapp 40 Prozent der Betriebe verbuchten weitere Umsatzsteigerungen.

Gewerblicher Bedarf: Weiterhin sehr zufrieden waren die industriellen Zulieferer, der GKI war im Jahresverlauf ebenfalls stark gestiegen (156,6 Punkte). Nur 3,7 Prozent betrachten die geschäftliche Lage als schlecht.

Kfz-Gewerbe: Die Betriebe zeigten sich unzufrieden. Der schwächste Geschäftsklimaindex (98,7 Punkte) aller Handwerksbranchen macht das deutlich. Die Dynamik hat sich nach Einschätzung der befragten Inhaber deutlich abgeschwächt. Möglicherweise Folgen des Diesel-Skandals. Lediglich 2,5 Prozent berichteten von gestiegenen Auftragseingängen. Eine Belebung wird zum Winterquartal erwartet.

Lebensmittelgewerbe: Eine etwas verhaltenere Geschäftsentwicklung in den letzten Quartalen, aber im Jahresvergleich stehen die Bäcker, Fleischer und Konditoren wieder besser da. Mit einem Geschäftsklimaindex von 111,9 Punkten im Mittelfeld der Branchen. Die Umsatztätigkeit ist derzeit ausgewogen. Das Winterquartal sollte wieder bessere Geschäfte bringen.

Gesundheitsgewerbe: Nach wie vor glänzende Geschäfte (GKI: 145,7 Punkte) und noch einmal Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr. 90 Prozent berichteten über eine gute Geschäftslage, jeder dritte Betrieb konnte seine Umsätze weiter steigern.

Personenbezogene Dienstleistungen: In der Vergangenheit oft das Sorgenkind im Handwerk, steht die Branche (u.a. Friseure, Maßschneider, Fotografen) im langfristigen Durchschnitt insgesamt recht ordentlich da (GKI: 104,4 Punkte). Ebenfalls stärker als im Vorjahr, doch gibt es auch Unzufriedenheit: Immerhin jeder vierte Betriebsinhaber klagt über schlechte Geschäfte. Das soll sich im kommenden Quartal ändern.

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