Gegen das Vergessen: Stolpersteine in Kassel

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Stolpersteine in der Friedrich-Ebert-Straße vor dem Gloria-Kino.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Die sogenannte Reichspogromnacht markierte den Beginn der gewaltvollen Übergriffe der Nationalsozialisten auf die jüdische Bevölkerung in Deutschland. Auch heute, 79 Jahre später, erzählen viele Mahnmale ihre Geschichten von den unzähligen Schicksalen der Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Eines davon sind die Stolpersteine.

Als Projekt des Künstlers Gunter Demnig entstehen die Stolpersteine seit 1992 in zahlreichen Städten. Sie markieren meist Wohnhäuser, in denen die NS-Opfer zuletzt freiwillig gewohnt haben. Auch in Kassel gibt es etwa 120 solcher Messingtafeln. „Es geht bei den Stolpersteinen um Aufmerksamkeit für die Geschichte“, erklärt uns Christa Gieseler vom Verein „Stolpersteine in Kassel“. Durch die natürliche Verbeugung beim Betrachten des Steins zeige man zwangsläufig eine gewisse Achtung und Wertschätzung.

Mit Zahnbürste und Politur brachte Gieseler an diesem historisch bedeutenden Tag die Stolpersteine im Bereich der Innenstadt auf Hochglanz. Jede dieser Erinnerungstafeln schmückte sie mit jeweils zwei roten Rosen und ein bis zwei Kerzen. „Viele Menschen wissen gar nichts von den Steinen und wofür sie stehen“, erklärt sie uns weiter. Gerade habe sie mit einer jungen Frau gesprochen, die noch nie etwas davon gehört hatte, sich dann aber sehr interessiert zeigte und erstaunt über die Geschichte dahinter war. Zweck des Vereins „Stolpersteine in Kassel e.V.“ ist die Erinnerung an Verfolgte des NS-Regimes, die Förderung der Toleranz in der Gegenwart und des Dialogs mit Minderheiten.

Der Verlegung eines Stolpersteins, der übrigens etwa 120 Euro kostet, gehen umfangreiche Nachforschungen voraus. Es werden Archive durchsucht und nicht selten wird zu Angehörigen oder auch früheren Freunden und Nachbarn des Opfers Kontakt aufgenommen. Die Ergebnisse werden dokumentiert und fließen in sogenannte Gedenkbätter, die als Vorarbeiten für die Stolpersteine gelten. Der Künstler Gunter Demnig möchte mit dieser Aktion die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig halten. Und gerade in der heutigen Zeit sind diese kleinen Eckpfeiler im Alltag eines jeden Menschen so wichtig – für die Aufmerksamkeit und gegen das Vergessen.

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