Mit geschulterter Glasvitrine durch die Stadt: Kunststudent präsentiert Projekt im öffentlichen Raum

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Tim Rudolph mit seiner Glasvitrine

„Ist das ein Aquarium, das du da auf dem Rücken trägst? Wo sind dann die Fische?“ Solche Fragen bekommt der 20-jährige Kunst- und Philosophiestudent Tim Rudolph in letzter Zeit öfter zu hören. Im documenta-Jahr hat er sein eigenes Kunstprojekt „Lebensraum Masse“ verwirklicht. Seitdem trifft man ihn häufig mit einem durchsichtigen Rucksack an. Aber was steckt dahinter?

Entstanden sei die Idee oder ihr Ursprung bereits vor zwei Jahren, verrät er uns: „Ich fing an, an der Wahrnehmung zu zweifeln und stellte mir die Frage, ob das stimmt, was ich wahrnehme und ob es die Anderen überhaupt gibt. Dann streichst du alles weg, was du anzweifeln kannst. Zum Schluss habe ich gemerkt, dass ich doch hier bin und wir vielleicht alle hier sind. Diese Erkenntnis kam durch andere Menschen, die mir ein gutes Gefühl verschafft haben.“ Diese Methode des Zweifelns wird in der Philosophie häufig angewandt.

„Das Unfassbare ist fassbar.“

Ursprünglich wollte er auf das Unfassbare hinweisen, Rudolph weiter. „Das Unfassbare ist das Einzige, was für alle Menschen auf der Welt fassbar ist, denn jeder hat etwas, was für ihn nicht fassbar ist. Und was für dich nicht fassbar ist, kannst du nicht definieren. Jeder hat also irgendetwas, was er nich fassen kann. Das ist immer gleich, weil darüber nichts gesagt werden kann. Das Unfassbare ist für alle fassbar. Wenn ich aber mit Leuten auf der Straße darüber spreche, ernte ich oft Kommentare wie Kunstgelaber oder Philosophengelaber.“

„Ich stelle Lebensraum aus. Die Masse, die uns alle verbindet.“

Die Idee, dass er nichts neues erschaffen, sondern auf das, was uns alle verbindet, hinweisen wollte, entstand. Nun galt es den Fokus des Betrachters auf die Sache zu verstärken. „Ich stelle mit der Glasvitrine, die ich trage und die mit mir in Verbindung steht, die ganze Zeit Lebensraum aus.“ Die Vitrine versteht Rudolph also eher als Hinweis auf den Raum, eine Art Verdeutlichung. „Wir leben alle zwischen den Dingen. Dieser Raum ist da und er verbindet uns alle. Es geht mir also darum, zu zeigen, dass er da ist und dass er besonders ist. Ich bringe ihn in eine Vitrine, einen Raum, der den Fokus auf sein Innerstes legt und nicht auf sich selbst.“

„Die Leute fragen mich, worum es mir geht. Ganz einfach, um das schöne Miteinander.“

Alles Tun und alle künstlerischen Arbeiten lassen sich auf Harmonie reduzieren, erklärt Rudolph weiter: „Die einzelnen Elemente müssen gut miteinander funktionieren, es muss schön sein. Jede Komposition ist Harmonie, jedes Bild zielt auf Harmonie ab, sonst funktioniert es nicht. So sind auch wir: Wir als Elemente müssen zusammen eins werden. Dazu müssen wir begreifen, eins zu sein. Das ist mein Anliegen.“

„Wenn ich nur eines hätte, wäre es mir zu wichtig. Das Objekt ist nur ein Gegenstand.“

Bis jetzt hat Rudolph sechs Vitrinen gebaut, die bereits im Rahmen des Projekts KMMN im Interim am Kulturbahnhof sowie beim Rundgang der Kunsthochschule zu sehen waren. Weitere Ausstellungen sind bereits in Planung. Die Frage, ob bereits Kaufinteressenten angefragt haben, bejaht der Student: „Das schmeichelt natürlich, aber der Gegenstand selbst hat keinen großen Wert. Man benötigt ihn nicht.“

20 KOMMENTARE

  1. Das gefällt mir sehr. Der Junge ist Visionär und seiner unbefangenen aber tiefgründigen Art absolut glaubwürdig. Ein mutiger junger Mann, Menschenfreund und Träumer und Philosoph. 👌

  2. Ich glaube das ist wieder so ein gelabber von einem Typen.

    Über das Leben philosophieren und alles in frage stellen.

    Das nervt kann hier keiner mit einer wirklichen Idee kommen ?
    Und ich verstehe auch nicht wieso keiner den eigentlichen Zweck checkt ??????????
    Das ist ein Behälter für diese komischen Haare..

  3. Es ist völlig legitim die Meinung zu äußern, dennoch gibt es hierfür einfache Regeln. SACHLICHKEIT UND NICHT PERSÖNLICH WERDEN.

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